O5=Österreich

Das Zeichen "O5" besteht aus dem Buchstaben „O" und der Ziffer „5". Die letztere steht für den Buchstaben „E", den 5. Buchstaben des Alphabets. "O5" war somit der verschlüsselte Anfangsbuchstabe des Wortes „Österreich", das in den sieben Jahren der nationalsozialistischen Besetzung 1938-1945 verboten und durch den Begriff „Ostmark" ersetzt worden war. Die Bezeichnung "O5" stammt vonDr. Jörg Untereiner, damals Medizinstudent, nach dem Krieg Professor für Orthopädie an der Universität Gijon in Asturien, Spanien. Jörg Untereiner wuchs in der Steiermark auf und studierte in Graz. 1944 zur Wehrmacht eingezogen, kam er in die Mediziner- und Studentenkompanie nach Wien, wo er sich der WiderstandsgruppeDr. Hans (von) BeckerundMajor Alfons (Freiherr von) Stillfriedanschloss. Untereiner gründete in den verschiedenen Studentenkompanien (Wien, Graz, Leoben, Innsbruck und Salzburg) Widerstandsgruppen. Im Frühherbst 1944 forderten Becker und Stillfried Untereiner auf, eine Schmieraktion in möglichst vielen Städten Österreichs durchzuführen, und zwar sollte er den Slogan „Freiheit für Österreich" an die Wände malen. Untereiner meinte, dieser lange Slogan benötige zu viel Platz, und man würde auch zu lange brauchen, was die Gefahr der Entdeckung vergrößere. Statt dessen schlug er das Zeichen "O5" vor, was sofort Anklang fand. Einige Tage später wurde die erste Aktion in Wien durchgeführt, zunächst in drei, später in weiteren vier Wiener Bezirken. Untereiner selbst begann die Aktion am Stephansplatz in Wien. Als er mit zwei Gehilfen am Gebäude der neuen Universität ebenfalls das "O5" anbringen wollte, wurden die drei von einer Wehrmachtsstreife entdeckt, sie konnten aber nach einer Schießerei flüchten und entkommen. Untereiner selbst fiel Ende Februar 1945, einige Tage nach dem historischen Treffen der Spitzenleute von „O5" und „POEN" („Provisorisches österreichisches Nationalkomitee") beim Bauunternehmen Spitz auf der Heiligenstädter Lände und dann bei Major Stillfried auf dem Saarplatz, in die Hände der Gestapo. Er wurde beim Betreten des Cafe Herrenhof verhaftet und in das KZ Mauthausen gebracht. Dort war er mit Dr. Becker zusammen. Beide wurden am 7. Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit.